Zeitungsartikel zum Abschied von Dekan Heidecker

Regionalbischof Piper und Dekan Heidecker
Bildrechte: Helmut Bissinger

von Helmut Bissinger
Landkreis Donau-Ries

Die Heideckers gehen - und mit Ihnen verliert Donauwörth eine lebenslustige Familie. Die Heideckers, das sind der evangelische Seelsorger Johannes, seine Frau Manuela und eine Schar von Kindern mit Partnern. In diesen Tagen wird der Umzugs-Lkw beladen und es heißt, Abschied zu nehmen. Dass dies nach mehr als 13 Jahren des Wirkens von Johannes Heidecker nicht ohne Wehmut geschieht, hat eine Feier bewiesen, bei der Dankbarkeit eine wichtige Rolle spielte.

"Es ist die Gelegenheit, um loszulassen", sagte Pfarrerin Elke Dollinger zu Beginn eines Festgottesdienstes in der evangelischen Christuskirche. Gute Wünsche, so Dollinger, begleiten Heidecker auf seinem Weg zur neuen Wirkungsstätte: Mit 62 Jahren will er noch einmal etwas Neues beginnen. Er übernimmt die Seelsorge an der alten romanischen Klosterkirche in Heidenheim am Hahnenkamm (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). Dort will er sich neuen Aufgaben stellen und auch eine spirituelle Erfüllung finden.

Vom Dekan wieder zum Gemeindepfarrer - man könnte meinen, es sei dies ein Rückschritt. Heidecker hat, seit er sich für den Wechsel entschieden hat, immer wieder betont: Gemeindearbeit, und das Kümmern um die Seelen der Menschen, würden wieder mehr Platz in seinem Leben einnehmen. Dass er in Donauwörth und im Landkreis viel bewegt, Äras begleitet und mit seiner verständisvollen Art des Miteinanders dem Christentum neue Anhänger beschert hat, betonten alle Redner bei einem Empfang.

Zuvor hatte Regionalbischof Axel Piper seinen Stellvertreter mit launigen Worten verabschiedet. Es sei ihm nicht entgangen, so Piper, dass Heidecker ein großer Anhänger des FC Augsburg sei. Auch in der Kirchengemeinde habe er als Teamplayer entscheidende Positionen eingenommen: die Nummer eins als Torsteher ("auf ihn ist immer Verlass"), die acht als Mann im Mittelfeld ("zum Verteilen der Bälle") oder die neun im Sturm ("damit es strümisch vorwärtsgeht"). Zum Dank überreichte Piper ein Trikot des Fußball-Bundesligisten mit der Nummer 21 und dem Aufdruck "Heidecker", vom Trainer und Manager handsigniert.

Der Regionalbischof sprach damit auch die Sportlichkeit von Johannes Heidecker an, dessen rasante Fahrten auf dem Rad in der Heilig-Kreuz-Straße (von der Pfarrstelle in die Stadt) zu einem Markenzeichen geworden waren, ebeno wie die "rote Zipfelmütze" im Winter. Zu Heideckers Nachbarn zählten auch Landrat Stefan Rößle und der katholische Dekan Robert Neuner. Mit großem Bedauern, so dessen Stellvertreter Armin Furtmüller, habe Neuner die Teilnahme an der Abschiedsfeier verletzungsbedingt absagen müssen.

Dabei bildeten die beiden doch über viele Jahre ein kongeniales Duo, fast ein Double von Kardinal Reinhard Marx und Heinrich Bedford-Strohm, wie immer wieder gern behauptet wurde. Die Verdienste der beiden Priester für die Ökumene seien herausragend, meinte denn auch Armin Furthmüller. Landrat Rößle erklärte, Heidecker habe das, was er gepredigt habe, "auch gelebt". Donauwörths Oberbürgermeister Jürgen Sorré sagte, dass man Heidecker und seine Familie mit Bedauern ziehen lasse, habe er sich doch viel Respekt und Zuwendung erworben.

Vertreter des Dekanats, der Kirche sowie der Diakonie zeigten in ihren Beiträgen Wehmut. Aber die neue Wirkungsstätte sei nicht aus der Welt. Gegenseitige Besuche seien nicht ausgeschlossen. die Dankadressen waren zum großen Teil sehr persönlich. Johannes und Manuela Heidecker ließen sich einmal sogar zu einem Polka-Tänzchen hinreißen. und obendrauf gab es neben dem FCA-Trikot von Dekan Gerhard Wolfermann (Nördlingen) auch noch einen "Rieser Kittel".

Der Scheidende selbst hob hervor, dass die personelle Situation im Dekanat Donauwörth "lange nicht so gut gewesen" sei wie derzeit. "Die Vakanzen sind besetzt." Nichtsdestotrotz: Die Donauwörther werden sich gedulden müssen, ehe sie einen Nachfolger begrüßen können, hat die Stelle des Dekans doch ein halbes Jahr "Regelvakanz". Der neue Seelsorger in Donauwörth wird sich gleich einer Herkulesaufgabe stellen müssen: Die Sanierung der Christuskirche steht schon seit einiger Zeit auf der Agenda. Die Corona-Pandemie hat das Projekt verzögert und es Heidecker nicht mehr ermöglicht, es in Angriff zu nehmen.

Heidecker dankte allen, "die mich unterstützt, ermutigt und begleitet haben - ob ehren- oder hauptamtlich". Wenn er auch wenig Emotionen an sich heranließ, so wurde ein wenig Abschiedsschmerz doch deutlich: "Es war eine Freude, im Zentrum der Stadt zu leben, mitten drin", meinte er. die besondere Wohnlage in der Heilig-Kreuz-Straße zwischen dem katholischen Kloster, dem Pfarramt, der Diakonie und dem Landratsamt habe großen Anteil daran, in Donauwörth "eine gesegnete Zeit" verbracht zu haben.