Für mich ist jetzt Zeit DANKE zu sagen

Familie Heidecker
Bildrechte: beim Autor

Liebe Schwestern und Brüder,

bevor ich im Frühjahr 2008 mit meiner Familie nach Donauwörth gekommen bin, war ich Pfarrer in Fischen im Allgäu. Als im Jahr 2011 die dortige Kirchengemeinde das 50. Jubiläum ihrer Kirche „Zum guten Hirten“ feierte, entstand begleitend eine Festschrift. Mein dortiger Nachfolger wurde mit dem Erstellen der Chronik seiner Vorgänger (es waren bis dahin tatsächlich ausschließlich Männer) betraut und würdigte deren jeweiliges Wirken, indem er die besonderen Verdienste jedes Einzelnen herausstellte. Für meinen Dienst fand er den kurzen, nicht unzutreffenden Halbsatz: „Nach … folgte im Jahr 1998 Pfarrer Johannes Heidecker, der Fischen im Jahr 2008 verließ.“ Ich war zuerst einmal erstaunt und dann ernüchtert, wie kurz und knapp sich 10 Jahre Leben und Arbeiten zusammenfassen lassen.
Manu, meine Frau hat darauf diesen Satz, angelehnt an ein bekanntes Wort aus dem Buch Hiob (Hiob 1,21) für mich neu formuliert: Du bist gekommen – du bist gegangen – der Name des HERRN sei gelobt.
Ja, so möge es sein. Auch wenn ich Ende September eine neue Aufgabe in Heidenheim im Hahnenkamm annehmen werde.  Im Gottesdienst am 3. Sonntag nach Trinitatis habe ich in Donauwörth und Bäumenheim die Gemeinde dazu persönlich  informiert. 
Was war, was ist, was gelungen, was versäumt, was erreicht, was gefehlt, was verweht, was bleibt? Das möge jede*r Betrachter*in aus
ihrer/seiner persönlichen Perspektive abwägen und wertschätzen.


Für mich ist jetzt Zeit DANKE zu sagen:

Danke an Sie, meine Schwestern und Brüder unserer Weggemeinschaft auf Zeit hier in und um Donauwörth. Danke an alle, die mit mir und uns treu und von Herzen gerne Gottesdienste gefeiert haben. Danke an alle, die mir ihre Türen geöffnet, mich und uns in ihr Leben eingeladen haben, die mit mir und uns geteilt haben was ihnen auf dem Herzen lag und von Herzen kam.
Danke an alle Haupt- und Ehrenamtlichen, an Gruppen, Gremien und Kreise. Danke für Ihren Zuspruch, für Ihre Kritik, fürs mich Aushalten, mich Korrigieren, mich Unterstützen, mir neues Nahebringen, für unser gegenseitiges Begleiten auf einem Stück unseres Lebensweges. Ganz besonders hat mich in all den Jahren das Werden, Wachsen und Gedeihen unserer Konfirmandenarbeit gefreut und motiviert. Danke an alle Konfirmand*innen, an ihre Familien und an so viele Jugendliche, die uns treu geblieben sind und mich und uns mit Ihren Gaben, ihrer Zeit und Kraft ge- und bestärkt haben.

Danke an unser Pfarramts- und Dekanatsteam. Danke für unser jederzeit gutes Miteinander. Dank an Frau Sabine Christoph, die all die Jahre treu in allen kirchengemeindlichen Belangen an meiner Seite war und mich mit Rat und Tat unterstützt hat. Danke an Frau Meike Stelzle, die ebenso wie ihre Vorgängerin Emmi Wende ihre Kompetenz und Energie zum Wohle unserer Kirchengemeinde und unseres Dekanats einbringt, und an Frau Claudia Schmitz, die unser Verwaltungsteam mit ihrem Know-How unterstützt.
Und: Danke an meine Familie, die mich jetzt noch einmal aufbrechen lässt und mir versprochen hat, an meiner Seite zu bleiben. Als wir vor 13 Jahren ins Pfarrhaus in der Heilig-Kreuz-Straße einziehen konnten, war Christianna fast 17, Johann fast 15, Maria 12 und Michel knapp 9 Jahre alt. Sie waren damals trotz allen Abschiedsschmerzes bereit sich auf eine neue Heimat einzulassen und haben sich und damit auch Manu und mich bewundernswert schnell hier vernetzt. Ob in Schule, Gemeinde, Sport, Musik oder in der Stadtgesellschaft - vor allem durch ihre Gabe, neue Beziehungen zu knüpfen, haben wir uns alle sechs gut hier in Donauwörth einwurzeln können.
Und sie haben mich und meinen Dienst im wahrsten Sinne des Wortes Tag und Nacht mitgetragen und solidarisch unterstützt. Haben mit uns Fremden, Freunden, Durchreisenden, Pilgern, Gestrandeten, Suchenden die Türe geöffnet, sie an unseren Tisch eingeladen, sie mit uns bewirtet und mit unseren Gästen und uns Zeit und Raum geteilt. Sie haben unsere Haltung immer wieder hinterfragt, uns kritisiert, unterstützt und ermutigt, so dass unsere Dienstwohnung, das evangelische Pfarrhaus in der Heilig-Kreuz-Straße zu einem einladenden Ort der Gastfreundschaft werden durfte.
Unsere vier Kinder haben aber nicht nur die Heilig-Kreuz-Straße und noch manch andere Lokalität der Stadt belebt. Sie haben mit kritischem Interesse die Geschicke der Kirchengemeinde begleitet und jede*r von ihnen hat zum Teil jahrelang aktiv ehrenamtlich in der Kirchengemeinde mitgearbeitet. Auch haben sie viele, viele Gottesdienste mit uns und Ihnen gefeiert und mit mir erfrischende Ideen und Impulse für meinen Dienst diskutiert. Ihre Ermunterung, ihre Fragen und ihre Anregungen haben mich und mein Wirken inspiriert, mir gut getan und mich angeregt weiterzulernen.
Wir sind gekommen – wir werden gehen – der Name des HERRN sei gelobt! Möge sein Lob der Grundton allen/unseres Lebens, Wirkens und Strebens sein.
So werden wir nun weiter ziehen und bitten für Sie und für uns mit den Worten von Jochen Klepper: Der du allein der Ew´ge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unserer Zeiten: bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten.

Ihr Pfarrer Johannes Heidecker